Mi Stärn, Patria Bärn

Chiffrieren

Eine Meldung chiffrieren (verschlüsseln) heisst, sie für Dritte unverständlich zu machen. Ein gewöhnlicher Text wird chiffriert, indem man bestimmte Änderungen vornimmt, die nur dem eingeweihten Empfänger bekannt sind, von allen anderen aber erst mühsam herausgefunden werden müssen (z.B. vom Gegner im Spiel). Man kann zum Beispiel Buchstaben und Worte austauschen, eine eigene Sprache oder Schrift verwenden, allenfalls auch mehrere Verschlüsselungsarten miteinander kombinieren. Beim Chiffrieren gibt es meist keine Unterscheidung zwischen Gross- und Kleinschreibung. Die Umlaute werden als ae, oe, ue ausgeschrieben. So erhält man ein Alphabet von 26 Buchstaben, wenn man das j als i schreibt, sogar eines von nur 25 Buchstaben. Nachfolgend findest du ein paar Möglichkeiten, wie du deine geheimen Mitteilungen verschlüsseln kannst.

Buchstabenverschiebung

Man verschiebt das Alphabet um einige Buchstaben, d.h. man ersetzt jeden Buchstaben durch den, der eine bestimmte Anzahl Stellen weiter hinten oder vorn kommt. Wenn z.B. das Alphabet um 2 Stellen nach hinten verschoben wird, so wird aus dem A ein C, aus dem B ein D usw. THILO würde in diesem Falle VKLNQ heissen. Diese Verschlüsselungsmethode ist zwar einfach, hat jedoch den Nachteil, dass sie sehr schnell geknackt ist, es gibt ja nur 26 Möglichkeiten. Mehrfach verschieben bringt hier mehr Sicherheit.

Chiffrieren durch Buchstabenmanipulationen

Es gibt verschiedene Spielereien, welche man mit den einzelnen Buchstaben, oder einem ganzen Wort machen kann, man kann Buchstaben streichen, einsetzen, zusetzen oder umtauschen:

Man schreibt den Text rückwärts.

Man streicht jeden dritten Buchstaben oder jedes dritte Wort usw. und hängt die gestrichenen Buchstaben oder Worte am Ende der Nachricht in der richtigen Reihenfolge an.

Man hängt jedem Buchstaben einen beliebigen zusätzlichen Buchstaben an, oder nach jedem Wort ein neues Wort.

Das Quadratgitter

Man schreibt die Nachricht zuerst zeilenweise (waagrecht) in ein Quadrat von z.B. 25 Feldern und gibt diesen Text dann spaltenweise (senkrecht gelesen) weiter. Leere Felder werden mit beliebigen Buchstaben ausgefüllt.

Koordinatennetz

Das Alphabet wird in ein Quadratgitter mit 25 Feldern eingetragen (j wird zu i). Jede Zeile und jede Spalte wird mit einem unterschiedlichen Buchstaben angeschrieben. So kann jeder Buchstabe im Netz durch eine bestimmte Buchstaben-Kombination ausgedrückt werden.

Zahlencode

Man nummeriert die Buchstaben beliebig und übermittelt nur Zahlen.

Morsecode

Man kann auch die Morseschrift zum Verschlüsseln von Botschaften verwenden. Hier ein paar Varianten:

Alle Meldungen, die nach den bisher gezeigten Methoden verschlüsselt wurden, können anschliessend noch in Morseschrift übertragen werden.

Austausch von Punkten und Strichen.

Gebundene Morsezeichen (sieht dann aus wie Stenographie): grosse Kurven stehen für Striche, kleine Kurven für Punkte.

Die Morsedepesche wird in einem Bild "versteckt", dabei kann eine Hügelkette aus grossen und kleinen Bergen dann Punkte und Striche darstellen, Vögel auf einer Telefonleitung (kleine und grosse) sind auch Morsezeichen, und verschieden grosse Häuser, Tannen etc. natürlich auch!

Hieroglyphen

In einem Gitterwerk erhält jeder Buchstabe seinen bestimmten Platz (hier auch das j). Auf Grund dieses Platzes kann man dann einen Ersatzbuchstaben zeichnen, der nur noch die Umrisse dieses Platzes angibt.

Deckwörter

Bezeichnungen für Orte, Namen, Zeiten und Tätigkeiten werden durch andere (erfundene) Wörter ersetzt. Der Lagerplatz heisst dann z.B. "Mond", ein Meldeläufer wird zum "Yeti", statt übermittelt wird gesungen. Aus der folgenden Meldung werden dann wohl nur eingeweihte Personen entnehmen, dass ein Meldeläufer um X Uhr eine Mitteilung zum Lagerplatz bringt: "Der Yeti singt eine Stunde vor Fixzeit auf dem Mond."

Dechiffrieren

Chiffrierte Botschaften müssen vom Empfänger jeweils wieder dechiffriert (entschlüsselt) werden. Dies ist nicht schwer, wenn die verwendete Verschlüsselungsmethode bekannt ist. Spannend wird es jedoch, wenn man einen unbekannten Geheimcode in Detektivarbeit entschlüsseln muss. Ist die Meldung nur einfach chiffriert, so können wir anhand der Häufigkeit der einzelnen Zeichen eine Entschlüsselung versuchen. In der deutschen Sprache kommen die Buchstaben E und N am häufigsten vor und sind im Text meist bald zu erkennen. Ebenfalls oft trifft man auf I, R und S. Der Buchstabe C tritt meist in Verbindung mit H oder K auf. Man beginnt mit kleinen Wörtern, die mit E beginnen, ist der zweite Buchstabe fast immer R oder S. Weitere leicht erkennbare Wörter sind die Artikel "der", "die" oder "das". Vielleicht kommst du auch mit Hilfe der vorher aufgeführten Chiffriermethoden zu einer Lösung. Achte darauf, dass eine Meldung auch mehrfach chiffriert sein kann, also z.B. Morseschrift mit verschobenen Zeichen (Strich statt Punkt). Mehrfach chiffrierte Meldungen können ohne Kenntnis des Schlüssels nur schwer geknackt werden. Auf jeden Fall braucht es zum Dechiffrieren eine Portion Ruhe und Geduld. Falls dies nicht ausreicht, kann man den Geheimcode vielleicht auch durch Spionage beschaffen.

Geheimtinten

Von alters her wurden Geheimdokumente und Beschwörungen auch mit unsichtbaren Tinten geschrieben. Verschiedene Geheimtinten sind leicht zu beschaffen, z.B. Zitronen, Orangen- oder Zwiebelsaft, Salz- oder Zuckerlösung, Buttermilch, mit Wasser verdünntes Hühner-Eiweiss, Urin. Diese Tinten werden nach dem Eintrocknen wieder sichtbar, wenn man sie erwärmt (Blatt mit Schriftseite über Wärmequelle halten, z.B. Kerze). Mit Gerbesäurelösung (Tannin in Wasser gelöst) geschriebene Schrift erscheint schwarz, wenn man sie zur Entzifferung mit Eisenchloridlösung bepinselt.

Es gibt noch zahlreiche weitere Geheimtinten. Apotheker und Drogisten können uns noch mehr Ratschläge geben, vor allem auch im Hinblick auf die Vermeidung von gefährlichen Giftstoffen.

Pfadizeichen

Pfadizeichen

Eine besondere Art, im Gelände verschlüsselte Botschaften zu hinterlassen, sind die sogenannten Pfadi- oder Wegzeichen. Zur Benachrichtigung nachfolgender Pfadi werden die Zeichen so unauffällig in die Natur eingeordnet, dass sie nur vom geübten Auge erkannt werden können.

Solche Zeichen können aus Holz, Steinen, Sägemehl gelegt, in Stein oder Boden eingeritzt oder ins Gras geknotet werden. Man verwendet also natürliche Hilfsmittel, Papierfetzen sind nicht geeignet (Wind).

 

Quelle: THILO - SCHWEIZER PFADIBÜCHLEIN - © 1993 Pfadibewegung Schweiz

 

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