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Übermitteln
Übermitteln bedeutet eine Nachricht weitergeben. Am direktesten geschieht das natürlich durch die gesprochene Sprache, was uns heute dank Telefon und Funk auch über weite Distanzen möglich ist. Wenn uns jedoch eine solche mündliche Kontaktaufnahme nicht möglich ist, sind wir auf andere Formen der Nachrichtenübermittlung angewiesen, wir verwenden Signale. Signale sind Zeichen und Symbole mit einer bestimmten Bedeutung, die entweder sichtbar (optisch) oder hörbar (akustisch) weitergegeben werden. Das Übermitteln mit solchen Signalen nennt man auch "signalisieren".
Heute gibt es eine grosse Anzahl solcher Zeichensysteme, von denen hier nun eine kleine Auswahl erwähnt sei: Schriftzeichen, Handzeichen, Verkehrszeichen, Bildzeichen, Rufzeichen, Pfadizeichen etc. Entsprechend gross ist auch die Art, wie solche Zeichen übermittelt werden können: Brief, Flaggen, Schilder, Licht, Pfeife, Piepser, Trompete, Trommeln.
Die Auswahl der geeigneten Zeichensprache hängt von der jeweiligen Situation und den Kenntnissen der Benutzer ab. Es ist wohl klar, dass für eine erfolgreiche Übermittlung sowohl Sender als auch Empfänger die gewählte Sprache beherrschen müssen. Zur Signalisierung über grössere Distanzen hat sich vor allem das Morsesystem bewährt, denn es eignet sich sowohl zur optischen als auch zur akustischen, telegraphischen (Draht) und elektromagnetischen (Funk) Nachrichtenübermittlung. So verwenden auch wir Pfadi beim Signalisieren das Morsesystem, das nachfolgend ausführlicher beschrieben ist.
Morsen - - / - - - / . - . / . . . / . / - . //
Im Jahre 1857 erfand der Amerikaner Samuel Morse ein Zeichensystem aus Strichen und Punkten, das eine eigentliche Revolution im Übermittlungswesen einleitete. Jedem Buchstaben des Alphabetes, jeder Grundzahl, den Satzzeichen und Dienstzeichen wies er je eine Kombination von Punkten und Strichen zu. Diese Punkte und Striche können auch durch kurze und lange Töne oder Impulse (Licht, Strom) ersetzt werden, wodurch das Morsesystem schon kurz nach seiner Erfindung in der Telegraphie grosse Bedeutung erlangte.
Die Morsezeichen
Die Buchstaben umfassen bis zu vier Punkte oder Striche. Häufig verwendete Buchstaben sind in der Regel kurz und einfach. Am besten lernt man die einzelnen Buchstaben mit den zugehörigen Merkwörtern, die man in Silben trennt. Wenn in einer Silbe ein "o" enthalten ist, bedeutet dies einen Strich, jede andere Silbe einen Punkt. Beim Morsen und anderen Übermittlungsarten wird auf Gross- oder Kleinschreibung verzichtet. Eine übersichtliche Zusammenstellung der Zeichen und Merkwörter findet man auf der Morsekarte und im Thilo.
| a | .- |
Ar-nold |
| ä | .-.- |
Ätz-koh-len-stoff |
| b |
-... |
Bo-na-par-te |
| c |
-.-. |
Con-di-to-rei |
| d |
-.. |
Don-ners-tag |
| e |
. |
Ei |
| f |
..-. |
Fen-ster-bo-gen |
| g |
--. |
Gross-on-kel |
| h |
.... |
Hüh-ner-au-ge |
| i |
.. |
I-da |
| j |
.--- |
Jagd-mo-tor-boot |
| k |
-.- |
Kom-man-do |
| l |
.-.. | Li-mo-na-de |
| m |
-- |
Mo-tor |
| n |
-. |
No-tar |
| o |
--- |
O-vo-sport |
| ö |
---. |
Ö-ko-no-mie |
| p |
.--. | Phi-lo-so-phie |
| q |
--.- |
Quo-ki-ri-ko |
| r |
.-. |
Re-vol-ver |
| s |
... |
Sä-bel-griff |
| t |
- |
Tod |
| u |
..- |
U-ni-form |
| ü |
..-- |
Ü-ber-rock-knopf |
| v |
...- |
Ven-ti-la-tor |
| w |
.-- |
Wind-mo-tor |
| x |
-..- | Xo-ki-mil-ko |
| y |
-.-- | Yo-schi-mo-to |
| z |
--.. | Zo-ro-as-ter |
| ch |
---- | Chro-no-lo-gos |
Die Zahlen: Alle zehn Grundzahlen umfassen fünf Punkte oder Striche. Die Zahlen von 1 bis 5 beginnen mit einem Punkt, diejenigen von 6 bis 9 sowie 0 (Null) mit einem Strich:
| 1 | .---- |
4 | ....- |
7 | --... |
||
| 2 |
..--- |
5 |
..... |
8 |
---.. |
||
| 3 |
...-- |
6 |
-.... |
9 |
----. |
0 | ----- |
Die Satzzeichen umfassen jeweils sechs Punkte und Striche. Sie bestehen aus der Zusammenfügung von zwei oder drei Buchstaben. Man braucht die Satzzeichen eigentlich nur, wenn sie zum Verständnis des Textes notwendig sind. Das Zeichen für Klammer muss vor und nach dem eingeklammerten Teil der Meldung gegeben werden.
| Punkt |
.-.-.- |
(AAA) |
| Komma | --..-- | (MIM) |
| Fragezeichen | ..--.. | (IMI) |
| Doppelpunkt | ---... | (OS) |
| Bindestrich |
-....- |
(BA) |
| Klammer | -.--.- | (KK) |
Die Dienstzeichen
Dienstzeichen verwendet man hauptsächlich zur Einleitung und Beendigung eines Kontaktes sowie zur Quittierung des Textes oder einzelner Teile davon. Nachfolgend die gebräuchlichsten Zeichen.
Anruf: Zeichen geben, bis Gegenseite auf gleiche Weise reagiert. Mit Ton oder Licht . . . . / . . . . / . . . . (h, h, h usf.). Mit Scheiben, Flaggen usf. kreist man mit der Scheibe rechts.
Wortende: mit Ton oder Licht . . / . . (i, i, rasch geben). Mit Scheiben hält man beide Scheiben übereinander.
Weitere Dienstzeichen:
- Buchstaben oder Wort verstanden: . (e)
- Buchstaben oder Wort nicht verstanden: - (t)
- Ende der Depesche . - . - . (ar=all right)
- Irrtum . . . . . . . . darauf wiederholt man den falschen Buchstaben oder das falsche Wort.
Morseschlüssel
Mit Hilfe des abgebildeten Morseschlüssels können Morsezeichen direkt entziffert werden. Jeder Buchstabe, jede Zahl und jedes Zeichen hat darin einen festen Platz. Punktierte Linien, die zu ihm hinführen, bedeuten Punkte, durchgezogene Linien Striche. Wenn du nun zum Beispiel das Zeichen . - . empfängst, so folgst du auf dem Schlüssel zuerst der punktierten Linie, dann der durchgezogenen und nochmals der punktierten Linie. Dort findest du dann den richtigen Buchstaben "r".
Schneller und interessanter wird das Morsen, wenn man die Zeichen auswendig kennt und nicht jedes Mal im Büchlein nachschauen muss. Am besten lernst du natürlich durch regelmässiges Üben und in der praktischen Anwendung. Tausche doch einmal mit anderen Pfadi Briefe in Morseschrift!
Standortwahl und Signalmittel
Für das Übermitteln im Gelände ist die Wahl eines geeigneten Standortes wichtig. Beim optischen Verfahren (mit Scheiben, Flaggen, Licht) muss selbstverständlich eine freie Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger bestehen. Zudem sollte sich das Signalmittel von der Umgebung abheben. Vor einem dunklen Hintergrund verwendet man also mit Vorteil helle Signalscheiben, und umgekehrt. Wird mit Lampen übermittelt, so sollte sich keine störende fremde Lichtquelle in der Nähe befinden. Auch steht man zum Senden nicht gerade auf eine Hügelspitze, wenn man eine geheime Nachricht vor fremden Augen verborgen halten will.
Die Auswahl des geeigneten Signalmittels hängt von eurem Standort, den Sichtverhältnissen und dem vorhandenen Material ab. Am Tag kann man mit Morsescheiben über 1-2 km morsen, mit Hüten und Flaggen bis 300 m, mit einem Sonnenspiegel (Heliograph) sogar bis 20 km. In der Nacht hat man mit einem Morsescheinwerfer eine Reichweite von bis zu 20 km, mit der Taschenlampe bis 1 km. Tag und Nacht erreicht man mit einer Pfeife einen Empfänger in bis zu 500 m Entfernung, bei einem Morseapparat hängt die Reichweite natürlich von der Kabellänge ab.
Werden als Signalmittel Scheiben, Hüte oder Flaggen benützt, so wird jedes Zeichen (Punkt oder Strich) 2-3 Sekunden gezeigt, die Zeichen eines Buchstaben folgen rasch aufeinander. Die Pausen zwischen den einzelnen Buchstaben dauern etwa doppelt so lange wie ein Zeichen (4-5 Sekunden) oder bis eine Quittierung eintrifft. Die Übermittlung mit Scheiben zeigen nebenstehende Skizzen:
Bei der Übermittlung mit Licht oder Ton gibt man für einen Punkt nur ein kurzes Signal, ein Strich dauert fünfmal so lange wir ein Punkt. Die Pause zwischen den einzelnen Buchstaben dauert etwa gleich lang wie ein Strich.
Personal
Auf einer Übermittlungsstation braucht es in der Regel drei Personen, nämlich den Signalisten, den Beobachter und den Schreiber. Es sollte nur der Signalist gesehen werden. Die Aufgabenverteilung ist dabei folgendermassen. Beim Senden sendet der Signalist, der Beobachter achtet auf die Bewegungen der Gegenstation und quittiert, ob diese "verstanden" wurden oder nicht, und der Schreiber diktiert den Text der Meldung. Beim Empfangen gibt der Signalist die Zeichen "verstanden" oder "nicht verstanden", der Beobachter beobachtet und diktiert, was er sieht und der Schreiber notiert und übersetzt die Morsezeichen.
Übermitteln einer Depesche
Eine Nachricht, die übermittelt werden soll, wird auch Depesche genannt. Die Depesche soll möglichst kurz und einfach sein, unnötige Worte kann man weglassen, allenfalls bekannte Abkürzungen benutzen. Wenn man eine Depesche übermitteln will, so beginnt man mit dem Aufruf an die Gegenstation, bis diese mit dem gleichen Zeichen antwortet (mit Kreisen oder mehrmals vier Punkte nacheinander). Dann kann mit der eigentlichen Übermittlung begonnen werden. Der Schreiber der Sendestation diktiert dem Signalisten die einzelnen Buchstaben. Der Beobachter der Empfangsstation diktiert seinem Schreiber den empfangenen Buchstaben. Je nach vorheriger Abmachung quittiert der Signalist der Empfangsstation nach jedem Buchstaben oder Wort entweder mit "verstanden" (.) oder "nicht verstanden" (-). Zahlen werden mit der Wiederholung der Zahl quittiert. Der Beobachter der Sendestation sagt "gut" oder "verstanden", wenn die Gegenstation verstanden hat. Wenn diese nicht verstanden hat, muss das zuletzt gesendete Zeichen (oder Wort) nochmals übermittelt werden. Am Schluss der Nachricht sendet man .-.-. (AR).
Will nun die bisherige Empfangsstation eine Nachricht (z.B. Antwort) übermitteln, so beginnt sie mit dem Aufruf-Zeichen und wird somit selbst zur Sendestation. Falls die Sendestation einmal ein falsches Zeichen übermittelt hat, so sendet sie sofort das Zeichen "Irrtum" (8 Punkte). Nach der Quittierung der Gegenstation wird dann das richtige Zeichen durchgegeben. Bei längeren Übermittlungsübungen empfiehlt es sich, die gesendeten und empfangenen Depeschen in einem Stationsheft einzutragen.
Natürlich kann man Meldungen auch verschlüsseln.
Funken
Eine nützliche moderne Übermittlungsmethode ist die Funktechnik. Auch im Pfadibetrieb werden immer häufiger Handfunkgeräte eingesetzt. Sie ermöglichen eine direkte sprachliche Übermittlung über grössere Distanzen, ohne dass ein Kabel oder ein direkter Sichtkontakt notwendig ist. Hier ein paar Hinweise zum Gebrauch von Handfunkgeräten:
Jeder Funker hat einen Rufnamen, mit dem er aufgerufen wird und mit dem er sich meldet. Jedes Handfunkgerät verfügt über mehrere Sprechkanäle. Es ist von Vorteil, wenn man noch vor dem Einsatz des Gerätes mit seinem Partner einen bestimmten Kanal vereinbart. Zum Sprechen wird auf die Sendetaste gedrückt. Solange diese Taste gedrückt ist, kann man selbst keine Meldung empfangen, daher nach dem Sprechen sofort wieder loslassen.
Sprechregeln: Beim Funken kannst du stets ohne dein Wissen abgehört werden. Aus diesem Grund darfst du bei einer Übung nicht einfach eine falsche Notfallmeldung funken, sonst leitet ein Mithörer allenfalls eine Rettung ein, die dann teuer zu stehen kommen kann. Du solltest einen Funkkanal auch nicht unnötig mit Geplauder besetzen, denn damit könntest du einen wichtigeren Funkkontakt stören. Das nachfolgende Gespräch zeigt ein mögliches Funkgespräch zwischen den Stationen "Albatros" und "Gismo".
| Albatros: Gismo von Albatros, antworten. Gismo: Albatros von Gismo, verstanden, bla bla blabla, ... antworten. Albatros: Verstanden, bla bla blabla, antworten. Gismo: Verstanden, bla bla bla ... antworten. |
Mit der Aufforderung "Antworten" wird jeweils an den Partner übergeben, dieser bestätigt mit "Verstanden" oder "Nicht verstanden". Das Gespräch wird von derjenigen Station abgeschlossen, die es begonnen hat. Wenn man verhindern will, dass Aussenstehende die Funkbotschaft verstehen, kann man die Mitteilung verschleiern, indem man bestimmte Worte und Zahlen durch andere ersetzt. Dabei müssen selbstverständlich alle Funkpartner den Code kennen.
Jamboree on the Air
Ein besonderes Funk-Erlebnis für die Pfadi ist das Jamboree on the Air (JOTA), das seit 1957 alljährlich am dritten Oktoberwochenende ausgetragen wird. Tausende von Pfadigruppen aus der ganzen Welt versuchen dann jeweils miteinander über Funk in Verbindung zu treten, sozusagen ein Weltlager im Äther. Dazu reicht aber ein Handfunkgerät nicht mehr aus, es braucht eine grössere Kurzwellenstation, die von einem ausgebildeten Amateurfunker bedient wird. Vielleicht hast du einmal Gelegenheit, ein JOTA mitzuerleben. Frage deine Führerinnen oder Führer.
Quelle: THILO - SCHWEIZER PFADIBÜCHLEIN - © 1993 Pfadibewegung Schweiz
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